Fairer Stadtführer – Hanau erschließt neue Einzelhändler

Fairer Stadtführer – Hanau erschließt neue Einzelhändler

Hanau (rm/cl) – Hanau will „Hauptstadt des fairen Handels“ in Deutschland werden. Dieses Ziel zu erreichen, dazu tragen weitere Einzelhändler und Einrichtungen bei, die sich in den bestehenden Hanauer Stadtplan mit fairen Geschäften aufnehmen lassen, der auf Initiative des städtischen Umweltzentrums bereits seit 2011 besteht. Eine Straße, die in diesem Führer besonders ins Auge fällt, ist die Rosenstraße.

Dort ist mit Juwelier Harald Hunder ein Einzelhändler unter den fairen Anbietern hinzu gekommen, der aus den üblichen Kategorien von Lebensmitteln, Getränken, Süßigkeiten, Blumen und Geschenken herausfällt. Er reagierte auf den Aufruf von Oberbürgermeister Claus Kaminsky die Stadt beim Hauptstadt-Wettbewerb zu unterstützen. Beim Gespräch mit Gabriele Schaar-von Römer, Leiterin des Umweltzentrums, kam er zudem auf die Idee, seiner Kundschaft Gratis-Kaffee aus fairem Handel anzubieten.

Neuer fairer Handel

Hunder erläutert, dass entgegen landläufiger Meinung Diamanten heutzutage in hohem Maße „sauber“ vertriebene Ware seien. Der Handel mit geschmuggelten „Blutdiamanten“, durch die verschiedene Kriege in Afrika finanziert wurden, gehöre weitgehend der Vergangenheit an. Südafrikanische Produzenten garantieren, dass nur solche Diamanten gehandelt werden, für die offizielle Herkunftszertifikate des jeweiligen Ursprungslandes vorliegen. „Die Nachweiskette ist gegeben, auf den Rechnungen wird auf das Kimberley-Abkommen verwiesen“, so Hunder. Im südafrikanischen Kimberley hatten mehrere Diamanten produzierende Länder im Jahr 2000 bei einer Konferenz den Weg hin zum Vertrieb von „Friedensdiamanten“ begonnen.Wer in der Rosenstraße weiter schlendert, kann im Café Schien fair gehandelte Schokolade genießen oder bei „Subway“ Kaffee mit „Fairtrade“-Siegel trinken. Das zwischen beiden gastronomischen Betrieben liegende Reformhaus Brunzel ist sozusagen von alters her auf fairen Handel ausgerichtet. Denn die Firma Neuform als Hauptzulieferer für Lebensmittel entlohne beispielsweise chilenische Bauern schon in der dritten Generation gerecht, heißt es im Laden.

Wer sich von der Rosenstraße weiter in Richtung Norden bewegt und das Schmökern mit einem Gratis-Kaffee aus fairem Handel verbinden möchte, hat dazu im Buchladen am Freiheitsplatz Gelegenheit. Auch dieser ist neuerdings im Fairen Stadtführer als Adresse angegeben. Von Ladenbetreiber Dieter Dausien ist – zum Thema passend – zu erfahren, dass immer mehr Verlage ihre Bücher auf FSC-zertifiziertem Papier ökologisch nachhaltig drucken. Dausien: „Der Zug zum bewussteren Einkauf veranlasst also auch die ‚Hersteller’ unserer Produkte, auf den gesamten Produktionsprozess zu schauen.“

Die Kaufmännischen Schulen sind ebenfalls neu im Fairen Stadtführer vertreten. Sie schenken im Schulalltag entsprechenden Kaffee aus. Diese Entwicklung rührt auch daher, dass Schülerinnen und Schüler vor einigen Wochen auf dem Marktplatz für fairen Handel warben; eine Schülerin hat sogar einen „Fairtrade-Song“ geschaffen.„Solcher Bewusstseinswandel und die zunehmende Bereitschaft in Hanau, auf fair gehandelte Produkte zu setzen, lassen unsere Chancen auf den Hauptstadt-Titel wachsen“, hofft Schaar-von Römer.Den bundesweiten Wettbewerb um den Titel „Hauptstadt des Fairen Handels“ für Städte und Gemeinden richtet alle zwei Jahre die „Servicestelle Kommunen in der Einen Welt“ aus und wird dabei vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert. 2011 beteiligten sich 62 Kommunen mit mehr als 850 Projekten des fairen Handels, der fairen Beschaffung und des nachhaltigen Konsums. Amtierende Hauptstadt ist Bremen, 2009 hatte sich Marburg als bundesweite Siegerin durchgesetzt. Der Hanauer Magistrat beschloss 2011 sich am diesjährigen Wettbewerb zu beteiligen.

© Regiomelder.de; Foto: Stadt Hanau

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